Graphic Novel Day im Haus der Festspiele

06.09.2013

Wie bereits in den Jahren zuvor widmet sich das 13. internationale literaturfestival berlin (ilb) auch den Formen des Erzählens in anderen Kunstgattungen. So lotet das ilb beim Graphic Novel Day aktuelle Tendenzen einer zunehmend populären Kunstform aus, die sich zwischen Literatur und Bildender Kunst bewegt. Die Vielfalt der Kunstform, Themen und Stilformen zeitgenössischer Comics werden in Podiumsgesprächen mit KünstlerInnen wie ATAK, Ulli Lust, Mawil und Gabi Beltrán verhandelt.

Moderation: Lars von Törne

11 – 12.15 Uhr: Literatur und Literaturadaptionen im Comic
Längere literarische Comics sowie Literaturadaptionen sind das Thema eines Panels mit dem italienischen Zeichner und Autor Manuele Fior sowie seinen Berliner Kollegen Flix und Tim Dinter. Fior hat neben mehreren Graphic Novels mit ganz eigenen Erzählungen unter anderem Arthur Schnitzlers »Fräulein Else« als Comic adaptiert, für sein Buch »Ikarus« verband er Elemente der griechischen Sage mit einer eigenen Geschichte. Flix hat neben zahlreichen eigenen Erzählungen unter anderem die Literaturklassiker »Don Quijote« und »Faust« als Comic adaptiert. Tim Dinter arbeitet neben eigenen Erzählungen derzeit an einer Adaption des Romans »Herr Lehmann« von Sven Regener.

12.30 – 13.45 Uhr: Grenzüberschreitungen zwischen dem Comic und anderen Kunstformen
Drei Künstler sprechen über die fließenden Grenzen zwischen dem Comic und anderen Kunstformen, die sie auf unterschiedliche Weise als weitere Ausdrucksmittel nutzen: Die Belgierin Dominique Goblet, der Berliner Künstler Atak, sowie die Berliner Zeichnerin Aisha Franz. Goblet arbeitet auch als Malerin und Bildhauerin und greift in ihren Arbeiten persönliche Themen auf, so in der autobiografischen Kunstcomic-Erzählung »Faire semblant c'est mentir«. Atak verwendet in seinen Collagen, Gemälden und illustrierten Büchern zahlreiche Comic-Bezüge und hat zuletzt Mark Twains Erzählung »Der geheimnisvolle Fremde« illustriert. Aisha Franz’ Comics zeichnen sich durch einen künstlerisch experimentellen Strich aus, so ihre Graphic Novel »Alien«, zudem verbindet sie ihre zeichnerischen Arbeiten gelegentlich mit Performances.

13.45 Uhr - 14.45 Uhr MITTAGSPAUSE

14.45 – 16 Uhr: Comics und die harte Realität des Alltags
Die Möglichkeiten und Grenzen von Graphic Novels, die Realität zu reflektieren, sind das Thema des dritten Panels. Hier sprechen der spanische Autor Gabi Beltrán, der Finne Ville Tietäväinen, die Schweizerin Kati Rickenbach sowie die in Berlin lebende und aus Wien stammende Autorin und Zeichnerin Ulli Lust über ihre teils autobiografischen und teils auf Recherchen basierenden Graphic Novels. Beltrán hat in der Episodenerzählung »Geschichten aus dem Viertel« Erinnerungen an seine eigene Jugend verarbeitet, Tietäväinen erzählt in der demnächst auf Deutsch erscheinenden Graphic Novel »Unsichtbare Hände« von der Odyssee eines nordafrikanischen Flüchtlings in die Europäische Union, Rickenbach verarbeitet in ihrem Buch »Jetzt kommt später« eigenen Erlebnisse während ihrer Studienzeit, und Lust schildert in der Graphic Novel »Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens« teils alptraumhafte Erfahrungen, die sie als junge Frau gemacht hat.

16.15 bis 17.30 Uhr: Die Kunst des Witzes
Der österreichische Comiczeichner und Autor Nicolas Mahler, der Belgier Brecht Vandenbroucke und der in Berlin lebende Cartoonist OL sprechen über die Verbindung von Humor und Kunst. Mahler ist für seinen minimalistischen Strich und seinen tiefgründigen Humor vielfach ausgezeichnet worden und hat zuletzt unter anderem die Cartoon-Sammlung »Mein Therapeut ist ein Psycho« sowie die Thomas-Bernhard-Adaption »Alte Meister«, veröffentlicht. Vandenbroucke hat kürzlich mit »White Cube« eine Sammlung von Strips veröffentlicht, die die sozialen und formalen Konventionen der Kunstwelt persiflieren und mit deren Ausdrucksformen spielen. Und OL greift in seinen Strips und Cartoons immer wieder soziale Trends und Beobachtungen aus dem Berliner Alltag mit trockenem Witz auf und kommentiert sie kritisch, so in seinem Sammelband »Die Mütter vom Kollwitzplatz«.

Abendprogramm 21 Uhr Performance/Musikalische Lesung
Danielle de Picciotto und Alexander Hacke


Sonntag, den 08. September 2013, ab 11:00 Uhr
Haus der Berliner Festspiele
Schaperstraße 24
10719 Berlin

www.literaturfestival.com




Ähnliche Beiträge

Die Berlin Graphic Days gehen in die dritte Runde und wir sind wieder dabei! Nach dem gebührenden Auftakt der Berlin Graphic Days #3 mit der großartigen Eröffnung am vergangenen Montag wird am Samstag, dem 25. Januar ab 13 Uhr, der Market für die Besucher geöffnet. Dort bieten über 60 Künstler und Verlage ihre neusten Werke zum Verkauf an. Zudem präsentiert eine Ausstellung noch bis zum 24. Januar eindrucksvollste Werke und Installationen der Künstler Lars P. Krause, Jim Avignon, Lake ...
Am 30. Mai eröffnet unter dem Titel VATER UND SOHN eine Ausstellung, die Arbeiten von [[http://www.avant-verlag.de/artist/simon_schwartz|Simon Schwartz]] und seinem Vater Gert Schwartz zeigt. Die beiden präsentieren zu diesem Anlass erstmals gemeinsam ihre Arbeiten. Sie laden den Besucher ein, das zunächst widersprüchliche Ensemble von informeller Grafik und Graphic Novel zu erforschen – das Spannungsfeld zwischen abstrakter, freier Kunst und literarischer, konkreter Bilderzählung. In der ...
Vom 01. bis zum 22. November ist unter dem Titel „Kinderland - Kindheit und Jugend in der DDR“ eine Comicausstellung zu 25 Jahre Mauerfall mit [[http://www.avant-verlag.de/artist/ulrich_scheel|Ulrich Scheel]], [[http://www.avant-verlag.de/artist/simon_schwartz|Simon Schwartz]], Nadia Budde, Flix, Ulf S. Graupner, Ulla Loge, Peter Auge Lorenz, Mawil und Sascha Wüstefeld in der Berliner Neurotitan-Galerie zu sehen! Der Berliner Zeichner Mawil hat Kolleginnen und Kollegen dazu eingeladen, ihr...
Comic Salon Erlangen avant-verlag präsentiert Tanz der Skelette – Felix Pestemers „Der Staub der Ahnen“ 7. bis 10. Juni 2012 Öffnungszeiten: Do 12–19, Fr/Sa 10–19, So 10–18 Uhr Altstadtmarkt Der „Tag der Toten“ – Allerheiligen – in Mexiko wurde zum Weltkulturerbe erklärt. Das für den Max und Moritz-Preis 2012 nominierte Album „Der Staub der Ahnen“ des Berliner Zeichners Felix Pestemer lebt ganz aus der heiter-morbiden Atmosphäre dieses Festes. Ein Comic-Debüt? Gewiss, aber mehr noch...
Die Ausstellung BLUE POX zeigt nach über fünf Jahren erstmals auch wieder Arbeiten von Felix Pestemer jenseits der Zeichnung - einen breiter Querschnitt von Objekten, wild mutierenden Objets trouvés, Zeichnungen, Fälschungen und Originalen aus aktuellen Comic-Projekten. Darüber hinaus wird zur Eröffnung der Ausstellung das Gemälde 'Supernova' versteigert, ein experimentelles Gemeinschaftsbild, das im Zuge eines Malerei-Seminars der Bettina-von-Arnim-Oberschule unter der Leitung von Felix P...